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Die Objekte eines Meteorschwarms beschreiben im Raum parallele Bahnen. Auf Grund des zentralperspektivischen Effekts (der bewirkt, daß z. B. Eisenbahnschienen nicht
parallel, sondern perspektivisch zusammenzulaufen scheinen) scheint ein in die Atmosphäre eindringender dichter Schwarm von einem einzigen Punkt radial am Himmel auszustrahlen. Dieser Austrahlungspunkt nennt man den Radianten, wobei davon
eigentlichen nur bei einem Meteorstrom die Rede sein kann. Zeichnet man einen Meteorschauer in eine Sternkarte (gnomonische Projektion), führt die rückwärtige Verlängerung der konvergierenden Bahnen auf den Radianten, der somit die
Richtung festlegt aus der das Meteor zur Erde gelangt. In Radiantennähe aufleuchtende Meteorbahnen sind kürzer und die Winkelgeschwindigkeiten geringer. Der Globus berechnet Rektaszension u. Deklination, Höhe und Azimut des mittleren
scheinbaren Radianten. g,q=Winkel u. Länge des Schnittpunktes eines Meteorbahngroßkreises
mit dem Himmelsäquator; d1,ar1,d2,ar2=Deklination und Rektaszension des Anfang- u. Endpunktes der Meteorspur, am besten nach der Methode der photographischen Ortsbestimmung; dekp,arp=Deklination u. Rektaszension des Pols eines
Meteorbahngroßkreises. Das von der Erde angezogene, von der ursprünglichen heliozentrischen Bahn abgelenkte Meteor, wechselt stets in eine geozentrische Hyperbelbahn
über. Von dieser hyperbolischen Bahn wird nur das kleine, in der Atmosphäre aufleuchtende Bahnstück gesehen, das in allen Fällen als gradliniges Stück eines Großkreises angenommen werden kann. Radiantenbestimmung aus zwei Richtungswinkel:
Bezeichnet da1,ara1,de1,are1 die Deklin. u. Rektaszension des Anfang- u. Endpunktes der Meteorspur der ersten Station und da2,ara2,de2,are2 einer zweiten Station, gewinnt man die äquatorialen Koordinaten des Bahnpols (dp1,arp1)
des Meteorbahngroßkreises der 1. Station durch: Station 1: y=sin(are1)/tan(de1) - sin(ara1)/tan(da1) Station 2.
y=sin(are2)/tan(de2) - sin(ara2)/tan(da2) Der Radiant ist der Pol des Großkreises, der durch die Pole (Deklin., AR=dp1,arp1,dp2,arp2) der beiden Meteorbahngroßkreise verläuft. y=sin(arp1)/tan(dp1) - sin(arp2)/tan(dp2) Statt aus zwei, läßt sich der Pol eines Meteorbahngroßkreises aus n-gemessenen Bahnkoordinaten durch die Methode der kleinsten
Fehlerquadrate gewinnen. Man berechnet die äquatorialen Koordinaten [d(n),ar(n)] von n-Punkten auf der Meteorbahn einer Station direkt oder aus der Großkreisgleichung: tan(d(i))/cos(ar(i)) = b tan(ar(i)) + a (i=1,2,3...,n). Mit einer
Serienmessung äquatorialer Koordinatenpunkte (d=Deklin.,ar=Rektaszension) entlang der Meteorspur, ergeben sich die ausgeglichenen Koordinaten der Meteorspur einer Station durch die folg. Großkreisgleichung:
tan(d)/cos(ar) = a + b tan(ar); d=ATN((b+tan(ar)+a)*cos(ar)). y=tan(d(i))/cos(ar(i)), x=tan(ar(i)); i=1,2,3,...,n. Akkumulation: [x] = Normalgleichung:
n a [x] b = [y] Die Koeffizienten a,b findet man nach der Methode der kleinsten Fehlerquadrate (Lineare Regression); d(i),ar(i)=n-Anzahl Punkte mit den ausgeglichenen Koordinaten
Deklin. u. Rektaszension der aufgenommenen Meteorspur. -cos(ar(1))/tan(d(1)) = A(1) Bedingungsgleichung: (dp1,arp1=gesuchte Deklin.,AR Nordpol Meteorbahn Station 1)
tan(dp1)/cos(arp1) + B(1) tan(arp1) = A(1)
Akkumulation: [A] = Normalgleichung (n=Anzahl Gleichungen): ar=([A]*[B]-[BA]*n)/([B]*[B]-[B2]*n) y=[A]*[B]-[BA]*n Entsprechend sind die äquatorialen
Polkoordinaten des Meteorbahngroßkreises der Station 2 (dp2,arp2) zu berechnen.
y=sin(arp1)/tan(dp1) - sin(arp2)/tan(dp2)
dr=ATN(-cos(arr-arp1)/tan(dp1)) //dr=DEKLINATION RADIANT tan(g) sin(ar1-q)=tan(d1) y=tan(d1) Der Pol des Meteorbahn-Großkreises einer Station besitzt somit die Koordinaten dp=pi/2-g; arp=FN z(q-pi/2). xo=ctg(dr) cos(arr) yo=ctg(dr) sin(arr) Gleich: Bei nur 2 Beobachtungsorten (Richtungwinkel) sind die 2 linearen
Gleichungen mit zwei Unbekannten (xa-yb+c=0) streng aufzulösen. Liegen dagegen die äquatorialen Koordinaten (d1,ar1,d2,ar2) des Anfang- u. Endpunktes der Meteorspur einer größeren Anzahl Beobachtungsorte vor, ist der wahrscheinlichste Wert
nach der Methode der kleinsten Fehlerquadrate zu ermitteln. a(n) = sin(q(n)) sin(g(n)) Anzahl Gleichungssysteme = Anzahl der Beobachtungsstationen.
Akkumulation: [a2] = Normalgleichung für zwei Unbekannte xo,yo: [a2] xo + [ab] yo = [ac] Die ermittelten Koordinaten des Radianten (dr,arr) sind
streng für das Äquinoktium des Datums gültig (im allg. für den Zeitpunkt des Maximums der Stromaktivität).
Sollte die Rechnung den um 180 Grad abweichenden Antiradianten ergeben, sind die Koordinaten um 180 Grad zu ändern. Da der beobachtete Radiant stets über dem Horizont liegt, ergibt sich die Radiantenhöhe (hr) aus:
hr=ASIN(sin(b)*sin(dr)+cos(b)*cos(dr)*cos(osz-arr)). Das folg. Progr. bezieht die auf das Äquinoktium des Datums bezogenen
Koordinaten des Radianten (dr, arr,lo) auf J2000 v.v. REM GFA39 Die Erde bewegt sich täglich um rund 1 Grad nach Osten, wodurch auch der Radiant gegenüber dem
Himmelshintergrund um rund 1 Grad nach Osten zu driften scheint. Bei sehr langaktiven Strömen
(z. B. Sagittariden) wird von einer Bewegung parallel zur Ekliptik ausgegangen. Die dann von einer täglichen Driftrate nicht mehr beschreibaren Positionen werden in Tabellenform vermerkt. Um die in der Erdatmosphäre beobachtete Geschwindigkeit (vo) zu erhalten, ist die photographisch dokumentiere vom Shutter in Zeitintervalle (Segmente)
zerhackte Bahnspur exakt auszumessen (Fig. 31). Statt des Anfangs- u. Endpunktes der Bahn (Aufleucht- u. Verlöschpunkt) »L«, sind hier die einzelnen belichteten und
unbelichteten Intervallängen der zerhackten Meteorspur zu bestimmen (Länge Segment L1 km, Länge Segment L2 km, Länge Segment n Ln km) und die jeweilige Länge (Ln) des belichteten bzw.
unbelichteten Segmentes durch das Zeitintervall (z. B. dt=0.05 Sek. bei 600 r.p.m.) zu dividieren, woraus sich die Bahngeschwindigkeit (vo) und Abbremsung (dv/dt) in der Mitte der Bahn ergibt, oder am Anfang, am Punkt der max.
Helligkeit oder am Ende der Bahnspur. H=(R/(m*g))*T; H=die sog. Skalen- oder Maßstabhöhe (Höhe einer homogenen Atmosphäre), g=Schwerebeschleunigung, T=absolute Temperatur, R=absolute Gaskonstante, m=Molekulargewicht. Beispiel. Verlangsamung (dv/dt)=-3.1 km/sec2, vo=30.12 km/sec (für die Mitte der Bahnspur),
cos(zr)=0.6783. v 31.45 km/s=30.12*(1-8.77193*(-3.1/(30.12^2*0.6783))). vgo=
T=siderische (auf die Sterne bezogene) Rotationsperiode der Erde = 86164.09054 Sek. R=6378.137 km Äquatorradius der Erde; b=geograph. Breite des Beobachtungsorts; w=0.4651 km/sec. Rotationsgsgechwindigkeit für einen Ort am Erdäquator
(w=0.4561*cos(b) = für einen Ort der geographischen Breite b); osz=Ortssternzeit des Beobachtungsorts für den Aufleuchtzeitpunkt der Meteorerscheinung; p=Winkel zwischen der Horizonttangente (Fluchtpunkt der Erdrotation) w und der
Radiantenrichtung; vgo=von der Erdrotation befreite Meteorgeschwindigkeit; v=ungebremste Meteorgeschwindigkeit außerhalb der Erdatmosphäre. Auf der Erde herrscht eine Anziehungskraft (Schwerebeschleunigung) von g=9.78 m/sec, multipliziert mit dem Erddurchmesser (0.00978 km/sec * 6378.137 * 2 km) =
Die Geschwindigkeit (vgo) eines Meteors kann daher den Mindestwert von 11.17 km/s nicht
unterschreiten, da ein in großer Entfernung relativ zur Erde ruhender Körper bereits durch die Erdanziehungskraft eine Geschwindigkeit von 11.17 km pro Sek. erreicht. vg km/s= Geht die ursprüngliche heliozentrische Meteorbahn infolge
der störenden Erdanziehung in eine geozentrische Hyperbelbahn über, wird das beschleunigte Meteor von seiner wahren Richtung abgelegt. Der Radiant erfährt dadurch eine geringfügige Zenitannäherung (Zenitattraktion), da das Meteor auf der
eingeschlagenen geozentrischen Hyperbelbahn steiler fällt, als es auf der ursprünglichen Bahn ohne Anziehung fallen würde. Die Korrektion der Bahngeschwindigkeit für Erdanziehung wirkt sich daher auch auf den scheinbaren Radianten aus.
Die stets positive Zenitattraktion (dz) erhält dadurch den Wert:
Folg. Progr. berechnet die Korrektion für Zenitattraktion (dar,dd) im Äquatorialsystem. DEFFN r(x)=x-INT(x/(2*PI))*(2*PI)
b,osz,tw=geographische Breite, Ortssternzeit einer Beobachtungsstation und Ortsstundenwinkel des Radianten; dr,arr=Deklin. u. AR des scheinbaren Radianten; z,c=Zenitdistanz und parallaktischer Winkel des scheinbaren Radianten;
dz=Zenitattraktion des scheinbaren Radianten; dw1,arw1=Deklin. u. AR des um die Zenitattraktion korrigierten Radianten. dd ist allzeit negativ, außer der Radiant liegt zwischen Zenit und Nordpol: Die Korrektion der
Meteorgeschwindigkeit auf eine nicht rotierende Erde, bewirkt auch eine Korrektion des scheinbaren Radianten. R=0.46383 (dar, dd in RAD) oder DEG(0.46383) = R 26.576 Grad = R 1594.53' Bogenminuten (dar, dd in GRAD); tw=osz-arr;
b,tw=geographische Breite der Beobachtungsstation u. Ortsstundenwinkel des Radianten; drw1,arw1 = Deklin. u. AR des um die Zenitattraktion korrigierten scheinbaren Radianten; vgo = die für eine nicht rotierende Erde korrigierte
Bahngeschwindigkeit des Meteors; drw2,arw2=Deklin. u. AR des um die tägliche Aberration korrigierten scheinbaren Radianten. dar=-(R/vgo) cos(b) cos(tw) (1/cos(dr)) Apex (=Fluchtpunkt) der Erdbewegung (Fig. 36). Apex = ls wahre ekliptikale Länge der Sonne - 90 Grad
Die wahre heliozentrische Bahngeschwindigkeit (vh) des Meteors findet man aus: vh= cos(z)=cos(bq)*cos(lq-al). Die Bahngeschwindigkeit der Erde (vt) folgt aus: vt2=k2(2/r-1/a); r=heliozentrische Entfernung (Radiusvektor) eines Gestirns; a=halbe Apsidenlinie in Astronomischen
Einheiten (große Halbachse der Bahn = mittlerer Abstand Gestirn-Sonne). k=0.01720209895 (Gauss'sche Konstante) astronomische Einheiten pro Tag (1 Astronomische Einheit = 149597870 km) = 0.01720209895 mal 149597870 durch 86400
Sek. eine Tages = k 29.7847 km pro Sekunde. vt (km/s)= t2=(JD-2451545)/36525 Wird die Gauss'sche Konstante k2
= 1 gesetzt, ergibt sich die Geschwindigkeiten in Einheiten der mittleren Erdbahngeschwindigkeit (29.7847 km/s). Die Multiplikation der mittleren Erdbahngeschwindigkeit 29.7847 km/s mit Ein Meteor (gilt für einen Meteorschwarm gleichermaßen) mit der heliozentrischen Bahngeschwindigkeit vh=42.1219
km/s bewegt sich auf einer Parabelbahn (Bahnexentrizität e=1); bei größerer Geschwindigkeit (vh>42.1219 km/s) bewegt es sich auf einer Hyperbelbahn (e>1), und nahe der Parabelgeschwindigkeit (vh<42.1219 km/s) auf einer
Ellipsenbahn (e ~ <1). Die geozentrische Geschwindigkeit (29.7847+42.1219=) vg=71.91 km/s kann ein Meteor auf einer Ellipsenbahn somit nicht überschreiten. Wird ein höherer Wert (vg>72 km/s) gemessen, ist das aus
irgendeinem Bezirk der Galaxis stammende Meteor auf einer Hyperbelbahn in das Sonnensystem eingedrungen. Alle Rechte vorbehalten (all rights reserved), auch die der fotomechanischen Wiedergabe und der Speicherung in elektronischen Medien, Translation usw. Dasselbe gilt für das Recht der öffentlichen Wiedergabe. Copyright © by H. Schumacher, Spaceglobe |
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